Lesung mit Impro und ein improvisierter neuer Text

Lesung mit Impro und ein improvisierter neuer Text


Ende April habe ich in der Tribüne Linz gelesen - gemeinsam mit den Impropheten, die meine Texte als Inspiration und Sprungbrett für ihre Szenen genommen haben.

Für mich war es eine spannende Erfahrung, weil auch mein Part viel improvisierter als bei einer üblichen Lesung war. Im Normalfall habe ich zu Beginn einen genauen Plan, welche Texte ich in welcher Reihenfolge lese. Diesmal hatte ich eine Art Textbuch auf meinem Tisch, aus dem ich spontan ausgesucht habe, was als nächstes kommt, womit ich natürlich auch die Stimmung und Richtung des Abends (mit)bestimmt habe.

Parallel dazu habe ich dann live on stage einen Text geschrieben, der wiederum von den Inputs der Spielenden angetrieben wurde. Der kurze Text hing lange Zeit in einer sehr unklaren Position und ich war sehr glücklich, in der letzten Szene einen Dreh, welcher dem Text plötzlich Richtung und Form gab, gefunden zu haben:

Hessenplatz when wet

Als ob hier schon jemals jemand gekehrt hat, wirf die Liebe zwischen den Menschen, allen Menschen, dem Zynismus hin, irgendwo in einem Park, in dem keiner mehr weiß, wie lang und warum sie schon da in dem Park drin sind.

Das wäre allerdings tatsächlich typisch für ihre Beziehung gewesen, wenn sie hier plötzlich zu kehren anfangen würden, wo sie doch im Treibsand stecken und sich gegenseitig beim emotionalen Austrocknen zuschauen, obwohl sie doch vor nicht nicht allzu langer Zeit so große Pläne hatten. Irgendwann hatten sie ihren vorgezeichneten Pfad verlassen und sich selbst versichert, so so so harmonisch wie sie es mit den von jedem und jeder von ihnen mitgebrachten Kindheitserfahrungen und Bildungstraumata eben ging, gesagt, dass sie es eben anders machen würden als der Rest und dass das doch auch ganz schön sein könnte, eben aus dem allgemeingültigen Rhythmus hinauszustampfen. Aber waren sie eigentlich in diesselbe Richtung losmaschiert? Fragten sie sich jetzt so vereinzelt. Eben nicht. Sie versanken ja gerade.

Trotz allen Bemühens war wohl nicht mehr drin gewesen. Gelernt hatten sie halt irgendwann, dass man irgendwo hin wollen sollte, das sagen eben alle, wenn man sie fragt, was man wollen sollte, aber eigentlich wissen will, was man verdammt nochmal braucht für so ein Leben auf einer Wiese im Park zwischen den Blumen und halbausgetrunkenen Bierflaschen. Da, denkt sie sich, lässt sich’s leben, so zwischen den Blumen und den Flaschen, ja. Zwischen den rostigen Verhältnissen, wenn sie nur gemeinsam sind. Wie in so einem Bon Jovi-Song irgendwo zwischen New Jersey und 4020 Linz.